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Wertschätzende Preise verhandeln: Warum du dich nicht unter Wert verkaufen solltest

Es war einer dieser Tage, an denen ich mein E-Mail-Postfach öffnete und auf eine Anfrage stieß, die mich kurz innehalten ließ. Eine Hochzeitsgesellschaft suchte nach einer Musikerin, die drei Stunden lang spielen sollte – für 150 Euro. Drei Stunden. 150 Euro.

Ich musste tief durchatmen und dachte an das, was ich in all den Jahren als Künstlerin gelernt hatte. Doch bevor ich darauf eingehe, lass uns einen kurzen Blick in das fiktive Gespräch werfen, das sich dann im Kopf abspielte:

Anfrage: „Hey, wir lieben deine Musik und würden dich gerne für unsere Hochzeit buchen. Wir planen eine wunderschöne Feier und deine Musik wäre das i-Tüpfelchen. Es wären drei Stunden und wir können dir 150 Euro dafür bieten. Hast du Lust?“

Meine Antwort: „Vielen Dank für die Anfrage! Es freut mich, dass euch meine Musik gefällt. Aber 150 Euro für drei Stunden decken nicht einmal meine grundlegenden Kosten. Um ehrlich zu sein, das ist weniger als der Mindestlohn, wenn man all die Vorbereitung, das Equipment und die Anfahrt einrechnet. Was ich biete, ist mehr als nur drei Stunden Musik. Es ist Erfahrung, Professionalität und ein einzigartiges Erlebnis für eure Gäste. Vielleicht können wir über ein angemessenes Honorar sprechen?“

Warum dieser Preis nicht wertschätzend ist

Für Außenstehende mag es so wirken, als würde man „einfach nur spielen“, aber hinter jedem Auftritt steckt so viel mehr. Bevor ich überhaupt bei einer Veranstaltung auf der Bühne stehe, habe ich Stunden investiert, um mich vorzubereiten, das richtige Repertoire auszuwählen, mein Equipment zu pflegen und meine Fahrt zur Location zu planen. Es ist mehr als nur die Zeit, die ich physisch vor Ort bin – es ist eine Kombination aus jahrelanger Erfahrung, kontinuierlichem Üben und dem Einsatz hochwertiger Ausrüstung.

Hier ein kleiner Überblick über die Kostenblöcke, die man als Künstlerin trägt:

  • Vorbereitungszeit: Ein individueller Auftritt erfordert Zeit. Die Setliste muss zusammengestellt, eventuell neu geprobt werden, und ich plane alles im Detail.
  • Anfahrt: Viele Hochzeiten finden außerhalb der Stadt statt, was oft zusätzliche Fahrtkosten und Zeitaufwand bedeutet.
  • Equipment: Instrumente und Soundanlagen sind teuer in der Anschaffung und müssen regelmäßig gewartet werden.
  • Zeit vor Ort: Drei Stunden klingen auf dem Papier kurz, aber mit dem Auf- und Abbau der Technik und der Anreise bin ich oft den ganzen Tag beschäftigt.
  • Erfahrung: Nicht zu unterschätzen ist die jahrelange Erfahrung, die in jeden Auftritt einfließt. Mit den Jahren lernt man, wie man ein Publikum fesselt, auf spontane Situationen reagiert und für besondere Momente sorgt.

Bei solchen Anfragen geht es nicht nur um den Preis. Es geht um Wertschätzung. Es geht darum, dass die Kunst, die man auf die Bühne bringt, einen echten Mehrwert für eine Veranstaltung schafft. Und ja, es ist absolut wichtig, dass diese Arbeit fair entlohnt wird.

Warum? Weil wir als Künstlernicht nur für den Moment bezahlt werden, in dem wir spielen. Wir werden für all die unsichtbaren Stunden bezahlt, die wir in unser Handwerk investieren, für die Liebe zur Musik und für das Erlebnis, das wir schaffen.

Sich selbst wertschätzen – und fair bezahlt werden

Es ist essenziell, dass wir als Künstlerlernen, unsere Arbeit wertzuschätzen und das auch nach außen zu kommunizieren. Jeder, der ernsthaft Musik macht, sollte sich niemals unter Wert verkaufen. Unsere Zeit, unser Können und unser Beitrag zu den besonderen Momenten im Leben der Menschen haben einen echten Wert.

Manchmal ist es schwer, „Nein“ zu sagen. Es fühlt sich unangenehm an, weil wir glauben, dass wir vielleicht nie wieder eine Anfrage bekommen. Aber die Wahrheit ist: Wenn du dich selbst nicht wertschätzt, wird es auch niemand anderes tun.

Es geht nicht darum, unverschämte Preise zu verlangen, sondern faire. Preise, die all das widerspiegeln, was in deine Kunst fließt – die Vorbereitung, die Technik, die Erfahrung und deine Leidenschaft.

Am Ende zählt, dass wir mit Stolz und Wertschätzung auf die Bühne gehen können, wissend, dass unsere Arbeit respektiert und entsprechend honoriert wird. Musik ist mehr als ein Job – es ist ein Geschenk. Aber wie bei jedem Geschenk, das wir geben, ist es wichtig, dass es auch gewürdigt wird.

Also, liebe Künstlerda draußen: Verhandelt eure Preise wertschätzend. Nicht nur für euch, sondern auch für die Kunst, die ihr in die Welt bringt.

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